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2014-03-08

Lass uns über das Wetter reden













Draußen ist es warm. Die Luft schmeckt nach Sonnenstrahlen und warmen Tagen. Einige wenige Hoffnungsvolle tragen kurze Hosen. Eine davon bin ich. Wer hätte gedacht, dass ich die kurzen Hosen, die ich bei meiner Ankunft resigniert nach ganz unten ins Regal gestopft habe, tatsächlich nochmal anziehen kann?

Sonnenstrahlen auf den Armen; wenn einen so etwas in einen Zustand der Ekstase versetzt, merkt man wohl, dass man schon eine Weile in England ist.

Gestern durften wir ausschlafen, obwohl Freitag war, da wir am Abend davor lange in den Abend hinein arbeiten mussten. In meiner Mittagspause saß ich in Lady Herberts Garden auf einer Bank. Die Beine ausgestreckt, halb in der Luft, ausgestattet mit Strick- und Zeichenzeug. Sogar planeten-zerstörende Erdbeeren für 2 Pfund durften neben mir auf der Bank platznehmen.

Diese eine Stunde im Park, umgeben von Krokussen und späten Schneeglöckchen, war vermutlich die beste Mittagspause, der vergangenen 6 Monate.
Es fühlt sich fast ein bisschen an, wie Ferien, oder, wie das Gefühl, was man bekam, wenn plötzlich die letzte Stunde ausfiel.


Frühlingssonne, bleib doch noch ein Weilchen.

2014-01-13

Vorort: London






























Nun Vorort ist zwar jetzt gewollt übertrieben, aber weit ist es dann beim besten Willen auch wieder nicht nach London. Vor kurzem quatschte ich mit meiner geliebten, Indienfreiwilligendienstmachenden Cousine und ich sagte Das ist eigentlich nur so weit, wie von mir zu dir. Also,... wenn du noch da wohnen würdest wo du gewohnt hast, und uhm ich äh auch. Oder, um das mal etwas besser verständlich auszudrücken: London liegt etwa 1.5 Zugstunden von hier entfernt. Also wirklich nicht weit.



Ich war zwar vielleicht schon ein paar Mal in London aber A. kann man da sowieso nie oft genug hinfahren und B. ganz alleine war ich da bis dato noch nicht unterwegs. Nun wohne ich zwar nicht in London und uhm mal kurz ein wenig herumzuschlendern ist es etwas zu teuer, aber den Luxus des alleine herumlaufen konnte ich mir vor kurzem dann doch mal leisten.

Mamas Flug ging Morgens früh von London Stansted los und wo ich sowieso schon mal in London war, musste ich die Gelegenheit natürlich gut nutzen.

Unsere Jugendherberge lag in einem Park nicht unweit von Kensigton Gardens. Von da aus ging es durch ein schickes Wohnviertel (wer bezahlt mir, dass ich in London in so einem Haus wohne? Irgendjemand?), durch Kensington Gardens und den Rand des Hyde Parks. Vorbei am Albert Memorial und direkt ins Museenviertel. Ich wollte ja schon immer mal ins National History Museum, nur normalerweise ist da immer eine Häuserblock-lange Schlange vor, aber zu meinem Glück werden halt nicht alle an einem Sonntagmorgen um 10.00 aus ihrer Jugendherberge geschmissen und ich konnte einfach so reinspazieren.

Es wurde zwar nur ein gemütlicher Rundgang (für einen richtigen Besuch war es einfach zu groß), aber gelohnt hat es sich schon, das Dinosaurierskelet und die riesigen Fossilien zu besuchen. An einer Eisbahn vorbei verlies ich das Museum. Einmal wurde die Nase noch in das völlig überfüllte Notting Hill mit seinen Patelltüren gesteckt und dann ging es Eindrucksbeladen im Zuckelzug nach Hause.


Bis bald London.






Prost Neujahr!






























Nun ja, ich bin vielleicht ein bisschen spät dran, aber pssscht tun wir so, als wären die Ferien gerade erst vorbei, ja? Danke.

Was ist denn alles so passiert in den Ferien? Eine Mama war da, ein Papa war da, Dewis wurde geputzt, man hat lecker eingekauft, gut gekocht und noch besser gegessen, oh und -nicht zu vergessen- Weihnachten und Neujahr gefeiert.

Die weihnachtliche Hälfte der Ferien ist hier ja schon gut dokumentiert, aber der Jahreswechsel soll doch zumindest ein kurz erwähnt werden. Ein neues Jahr. Ein neues spannendes Jahr liegt vor uns allen -für mich liegt etwa ein Drittle "meines" Jahres hinter mir und offensichtlich gibt es nichts Besseres, als auf ein mütterliches Weihnachten ein väterliches Silvester folgen zu lassen.

An den Wänden schlängelten sich farbenfrohe Luftschlangen und bunte Ballons wippten von Gardinenstangen. Der letzte Weihnachtswein kam dem Festessen zugute und zum Anstoßen gab es Rosé. Und so war es plötzlich das neue Jahr. Mit ein wenig Tanz und etwas Warten, ohne Dinner for One, aber mit Jools Holland, überraschender Weise ohne sichtbares Feuerwerk, dafür aber mit Mitternachtspaziergang um den Block und nicht weniger festlich, oder besonders.


Es freut mich sehr, dass ich diese Momente und diese Stadt mit meinen Eltern teilen durfte. Eure Schuhe sind auf meinem Kopfsteinpflaster gelaufen, eure Ohren haben das Knarzen meiner Dielen und die Gesänge der besoffenen Studenten gehört, eure Nasen meinen verbrannten Herd gerochen und die frische Coventryluft geschnuppert und eure Augen mein zu Hause gesehen. 
Ich habe mich sehr gefreut.

2013-12-25

Adventskalender 24: All überall auf den Tannenspitzen


















































Nun kann ich es endlich mit voller Berechtigung sage: fröhliche Weihnachten ihr Lieben!
Und was für ein Weihnachten. So schön, dass ich es mir erlabe, diesen letzten Tag meines "Adventskalenders" erst einen Tag später mit euch zu teilen, damit es mir möglich ist ihn euch in einem etwas mehr als nur halbwachen Zustand zu schildern.

Der Morgen des Heiligen Abends beginnt mit einem späten Frühstück und einer Busfahrt. Kenilworth' Spaziergehpotential soll erkundet werden. Die Burgruine ragt hoch in den blauen Himmel und ein rotes und ein dreckiges Paar Wanderschuhe stapfen in gemeinschaftlicher Stille durch das Gras.
In den Tälern der Wiesen hat sich durch die Regengüsse der letzten Tage ein richtiger See angesammelt und die Natur quietscht vor Nässe. Der Wind ist kalt, er vereist unsere Nasen und spielt mit den kahlen Ästen. Ein Rabe steigt laut rufend in die Luft.
In Coventry kann man die Natur schon vermissen.

Wir kommen nach Hause. Müde, wie wir sind, verschiebt sich alles noch ein bisschen nach hinten. Wer duscht schon, wenn man im Bett liegen kann? Doch irgendwann wird sich auch geduscht; es wird gekocht und der Tisch gedeckt. Man speist in Weißwein gekochten Reis mit Spinatcreme-Soße und fühlt sich ein seiner weihnachtlichen Aufmachung sehr fein. Dewis scheint in festlichem Glanz.

Vorsorglich sind wir eine Stunde früher für den 7 Uhr Gottesdienst in der Kathedrale. Die Engländer scheinen unsere Paranoia nicht zu teilen; der Großteil der Gemeinde taucht erst kurz vor Begin auf. Doch man will sich nicht beschweren. Wir ergattern einen guten Platz und haben noch Zeit für eine Kathedralführung, während welcher gewisse Interns mit ihrem Wissen angeben können und gewisse Mütter gebührend beeindruckt sind.

















































Der Gottesdienst ist vermutlich einer der schönsten, in dem ich bisher war. Ganz dunkel, nur mit Scheinwerferlicht und vielen, vielen Kerzen; mit feierlichen Chorinszenierungen, langen Prozessionen, der Weihnachtsgeschichte, viel Drama, langen Roben und natürlich, dem Bischof.

Es ist auch ein Moment um sich noch einmal wieder hier zu Hause zu fühlen. Hier, in dieser Kathedrale, die man sowieso in den ersten paar Wochen als die eigene adoptiert, und mit diesen Menschen. 
Überhaupt hat es doch auch etwas Surreales in der Heute besonders vollen Kathedrale zu sitzen und in der Gemeinde nur wenige bekannte Gesichter zu sehen, aber unter denen, die den Gottesdienst leiten dafür um so mehr. Hier ist Jenny, dort Angie, John, David, Joe, der Dean, David, David, Barbara, Geoffrey, Kerry...

Die warmen Worte des Abschieds und der Weihnachtswünsche folgen uns aus der Tür in die Dunkelheit.


Zum ersten Mal, bin ich diejenige, die die Weihnachtsbaumkerzen an Heiligabend entzündet. Ach nein, was für ein schöner Baum! Ach wie gemütlich! rufe ich in wahrer Weihnachten-bei-Hoppenstedts-Tradition immer wieder aus.

Es wird gesungen, es wird gelacht, es werden Plätzchen genascht und nach Köln telefoniert. Ein singender Hund starrt auf eine Kerze. Und natürlich werden auch Geschenke ausgepackt. Eine überwältigende Anzahl um genau zu sein.
Ich bin immer noch ganz gerührt von der Liebe und Bedachtheit, die in diesen wundervollen Geschenken und Karten von geliebten Verwandten und Freunden auf dieser und jener Seite des Ärmelkanal steckt.

Eine Nacht später, am Weihnachtstag, liegt ganz England still. Kein Geschäft hat geöffnet, kein Bus brummt und kein Zug zuckelt. Während Mama und ich durch das ungewohnt stille Coventry gehen und auch nachher noch, während ich mit einem Schoß voll Katze in Jennys Wohnung sitze, denke ich immer wieder: hier ist mein zu Hause und hier ist mein Herz und genauso sehr ist es auch bei den Menschen "drüben". Und dafür bin ich sehr dankbar.

Danke, an euch alle, die es mir erlauben an vielen Orten gleichzeitig zu Hause zu sein. Danke, an die mit denen ich Gestern gesprochen habe, danke an die, die mich mit einer Karte, oder einem Geschenk überrascht haben, danke an alle, die an mich gedacht haben.

Es hat mir viel Freude bereitet meine Weihnachtszeit mit euch zu teilen. Ich hoffe, ihr hattet ein frohes Fest, sofern ihr denn gefeiert habt und sende euch liebe Grüße aus einem mittlerweile wieder dunklem Coventry. Ich werde euch vermutlich erst im Neuen Jahr wieder sehen, (aber dann hoffentlich vergleichsweise regelmäßig) und wünsche euch somit also auch: einen guten Rutsch!

Man entschuldige die Rührseligkeit. Es ist Weihnachten.




2013-12-23

Adventskalender 23: Morgen Kinder...






























Alles wartet auf Weihnachten. Dewis quietscht vor Sauberkeit (danke, Mama!), überall ist es weihnachtlich geschmückt und die Vorrahtskammern sind voll.
Heute wurden die allerallerallerletzten Stunden im Büro verbracht und gewisse Mütter ein ganz kleines bisschen herumgeführt. Loriot wurde zu zweit gehört und Blumekohl mit Erdnussbutter gegessen. Der Baum steht. (und der Weihnachtsbaumständer kommt mit nach Deutschland, komme da was wolle).
Der Weihnachtsbaum ist geschmückt. Mein erster ganz eigener Weihnachtsbaum. Ganz alleine geschmückt. Ach, watt fühle ich mich groß.

2013-12-22

Adventskalender 22: Hänger















































Auschlafen! Ach was schön, das gab es schon länger nicht mehr, vor allem nicht mit der Aussicht jetzt für 2 Wochen nicht wieder zurück zur Arbeit zu müssen (naja außer Morgen noch einmal kurz, aber das geht hoffentlich schnell...).
Heute wurde fleißig in Coventry rumgelaufen, die Wunder der Markthalle erkundet, eingekauft, sich gewundert, was man an Weihnachten essen soll, Putzen und Aufräumen geplant, aber doch nicht durchgeführt, ein Spätnachmittagsschlaf gehalten und -weil es so schön ist-, Tatsächlich...Liebe geguckt.

Es ist schön, bewusst Zeit zu haben und sich Zeit nehmen zu können, Kerzen anzuzünden, lecker zu kochen und natürlich Mama da zu haben. 

Schön. Schön.

2013-12-21

Adventskalender 21: Ein Tag in Worten






























Frühes Aufstehen. Fast verschlafen. Katze füttern. Laufen, laufen. Alles Stille. Heimatlose, Fühaufsteher, Nicht-schlafen-könnende, Ladenbestitzer. Dunkel.
Zug. Zug. Landschaft. Nebel. Erstes Licht. Müde. Schlafen. Zug. Zug. Flug. Warten. Lesen. Warten. Uhrzeit. Warten. gespannt Warten. Mama!
Rennen. Bus. Rennen. Tube. Rennen. Kein Zug. Warten. Zug.
Zug. Zug. Da. Laufen. Straßenbegegnung. Dewis. Sofa. Essen. Kerzen. Katze. Anruf. Essen. Bett.

(Meine beste Freundin und ihre Mutter unter ihrer normalen zu-Hause-Nummer am Telefon zu haben, während meine Mutter auf dem Sofa gegenüber lag, war sowohl sehr nett, als auch extrem surreal.)