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2014-03-08

Lass uns über das Wetter reden













Draußen ist es warm. Die Luft schmeckt nach Sonnenstrahlen und warmen Tagen. Einige wenige Hoffnungsvolle tragen kurze Hosen. Eine davon bin ich. Wer hätte gedacht, dass ich die kurzen Hosen, die ich bei meiner Ankunft resigniert nach ganz unten ins Regal gestopft habe, tatsächlich nochmal anziehen kann?

Sonnenstrahlen auf den Armen; wenn einen so etwas in einen Zustand der Ekstase versetzt, merkt man wohl, dass man schon eine Weile in England ist.

Gestern durften wir ausschlafen, obwohl Freitag war, da wir am Abend davor lange in den Abend hinein arbeiten mussten. In meiner Mittagspause saß ich in Lady Herberts Garden auf einer Bank. Die Beine ausgestreckt, halb in der Luft, ausgestattet mit Strick- und Zeichenzeug. Sogar planeten-zerstörende Erdbeeren für 2 Pfund durften neben mir auf der Bank platznehmen.

Diese eine Stunde im Park, umgeben von Krokussen und späten Schneeglöckchen, war vermutlich die beste Mittagspause, der vergangenen 6 Monate.
Es fühlt sich fast ein bisschen an, wie Ferien, oder, wie das Gefühl, was man bekam, wenn plötzlich die letzte Stunde ausfiel.


Frühlingssonne, bleib doch noch ein Weilchen.

Februar
















































Schon wieder ein Monat rum. Der Frühling steht vor der Tür. Mit dem Frühling kommt auch die Halbzeit. Sechs Monate hier, sechs Monate to go.

Ein Monat für Besuche. Eine Woche London mit Edda, Helena und Sinah. Ein Monat für Ausflüge. Ein Wochenende mit Dora, Maike und Melina voller Musicals. (Ich sag’s ja, ich gebe mein Geld exklusiv für Essen und fürs Theater aus).  Ein Monat für Evaluationen. Waren die Ferien nötig? Oh ja. Macht es mir noch Spaß? Oh ja und wie
.
Der Schal wächst.  Die Wohnung schwankt beständig zwischen saudreckig und quietschend sauber, je nachdem, wann einer von uns einen Putzfimmel bekommt. In letzter Zeit bin das überraschend oft ich (ich kann schon hören, wie sich gewisse Erlern lachend auf dem Fußboden rollen).

Die Auswahlseminare waren vor wenigen Wochen, ich bin mal gespannt wann und ob ich etwas von meiner/m NachfolgerIn höre.


Zwei weitere spannende Ereignisse des Monats: Maikes Geburtstag; wie gut, wenn jemand vorgeht, in das beängstigende Zeitalter der 20er. Und: Besuch aus Hong Kong. Unser Kontakt von unserem einzigen Partner in Asien, kam plötzlich vorbei. Zwar nur für einige Stunde, aber vermutlich trotzdem einer meiner liebsten Besuche, die wir bisher so hatten. 

2014-02-04

I will write peace on your wings...

Bildquelle


...and you wil fly around the world.

das obrige Bild hängt an der Pinwand über meinem Schreibtisch. Es hing dort schon, als ich ankam und ich war mir nie sicher, was es denn nun eigentlich darstellte. Tatsächlich, kannte ich einen Teil der dazugehörigen Geschichte schon länger, zählte aber erst eins und eins zusammen, als ich heute aus Neugier nach Bildern von Sadako Sasakis Statue in Hiroshimas Friedensgarten suchte.

Es gibt viele verschiedene Versionen von Sadakos Geschichte, die, die ich am Dienstag, den 04.02. erzähle ist ungefähr so ähnlich, wie diese hier.
Und als ich meinen Teil beende mit und das erinnert uns daran, dass wir Frieden brauchen, benutze ich das Wort "Friede" bestimmt schon zum fünften mal und ich kann förmlich fühlen, wie sich einige der Kinderaugen schmerzhaft verdrehen.

Und jetzt basteln wir Friedenskraniche -alle mal zusammenrücken!
Plötzlich kommt wieder Bewegung in das Ganze.

Für diesen Teil der Veranstalltung habe ich am Tag zuvor gemeinsam mit Stella fast ein dutzent Friedenskraniche gefalten, die jetzt unser Büro füllen.

Dafür kann ich es jetzt aber auch ohne auf den Zettel zu gucken. Die Mühe hat sich gelohnt. Gemeinsam mit Hilarys und Maddys Hilfe lassen wir einen ganzen Raum voller elfjähriger Friedenskraniche basteln.

Es gibt einiges an Gekicher, noch mehr wie geht das??, aber vor allem viel Begeisterung und am Ende verlassen tatsächlich alle den Raum mit einem mehr oder weniger knittrigem Friedenskranich.

Wir befinden uns in Westwood Academy, einer unserer International Cross of Nail Schools (ICONS), die heute einen Diversity Day haben.

Was das genau ist, ist mir bis Heute noch nicht ganz klar. Fakt ist, dass verschiedene Organisationen eingeladen wurden und die Schüler über den Tag verteilt Workshops machen. Einer davon, über Versöhnungsarbeit. Damit haben Maddy, Hilary und ich den großteil des Tages verbracht. Im "Publikum" sitzend und wenn nötigen Emmas hilfreiche Assistenten spielen.

Emma, die gelernte Lehrerin, schafft es immer wieder neue Gruppen in den Bann zu schlagen mit ihrem Workshop "Reconciliation: Mission Impossible", in welchem sie lückenlos den Bogen schlägt von der Geschichte des Nagelkreuzes, zu der Bedeutung von Versöhnung, zu den Aktivitäten, die die Schule eine Schule, der Versöhnung macht, zu wie unmöglich Versöhnung und Weltfrieden scheint, zu dem Straßenkünstler Dynamo, der unmögliches macht, aber offensichtlich ist es möglich, denn er macht es ja, zu den Eigenschaften von Superhelden, wie wie Superman und Spiderman, zu den Eigenschaften von Helden aus dem "echten" Leben, zu den Eigenschaften, die wir haben, die uns gut darin machen Versöhner und Brückenbauer zu sein.

Und ganz am Ende das Tages war anscheinend noch eine Gruppe übrig, weshalb der Schulleiter im Vorraus anfragte, ob wir nicht noch eine Session machen könnte. Nun und die haben wir dann gemacht.


2014-01-30

Contentment















































You weren't here last time I came rügt Winston verschmitzt in die erfreute Umarmung aus grüner, weicher Jacke mit Baskenmütze hinein. Winston, ist vermutlich unser ältester Guide und ohne Frage 'my favourite'.

Als wir mit der Schulklasse im Nebenraum stehen und die Gruppen für die Tour einteilen, sagt Paul auf die Frage mit wem ich mitgehen soll: mit Winston bekommst du den Telegraph, mit mir nur die Sun worauf ich lachen muss und ihm freundschaftlich einen Ellbogen in die Seite ramme.
Mit Winston gehe ich dann trotzdem mit, denn es stimmt schon, was Winston nicht weiß, weiß vermutlich keiner und außerdem macht es einfach am meisten Spaß.

Am Ende der Tour bringe ich die Gruppe allein zu ihrem Lunchroom zurück und höre, wie die etwa 13-jährigen Mädchen hinter mir hingerissen wispern wasn't he cute? he was SO cute!

Nach der Tour, bei der ich aus 'Fortbildungsgründen' mitgegangen bin und der anschließenden Tea Break mit den Guides, bin ich alleine im Büro. Stella ist auf einer Curriculums-Konferenz. 
Nach dem wir gestern aus 'Fortbildungsgründen' eine etwas verlängerte Mittagspause damit verbracht haben durch die Ausstellungen im Herbert zu wandern, muss ich heute dann doch endlich einmal ernsthaft arbeiten. 

Wie zu jedem Monatsende fiel mir vor kurzem voller Erschrecken ein, dass die Newsletter ja noch geschrieben werden muss.  Begleitet von Bronski Beat und den Resten von Bobs Süßigkeiten mache ich mich an die Arbeit.

In der heutigen Mittagspause diskutiere ich mit Maddy über Geschlechterrollen, die Einstellung der Anglikanischen Kirche zu Frauen und über Rape Culture. Gegen Abend kommt Stella zurück, voller Ideen und Begeisterung, erzählt viel, sagt du hättest mitkommen sollen, das wär' voll cool gewesen und wir spielt die Geschichte der Raupe Nimmersatt mit dem dazugehörigen Plüschtier nach, während ich vorlese.

Auf dem Nachhauseweg stoppe ich für einen Schwatz mit Adrian und komme nach Dewis, um meine beiden erkälteten Mitbewohner zusammen in der Küche anzufinden. Hilary auf den Treppenstufen, Maddy auf dem Fußboden und ich auf dem einsamen Stuhl, der einfach so in der Küche rumsteht.

Unser fast schon traditionelles Nach-der-Arbeit-in-der-Küche-sitzen, geht von da aus nahtlos in das fast genauso traditionelle Wie-war-dein-Tag-hast-du-das-schon-gehört-?-wollen-wir-demnächst-mal-wieder-zusammen-Brettspiele-spielen-? über.

Beim Abendessen unterhalte ich mich mit Hilary über glauben und nicht-glauben und darüber ob es einfacher ist, diesen Internship als Christ, oder als nicht-religiöser Mensch zu machen. Wir spülen ab und schlurfen in unsere Zimmer.

Beim offenen Fenster fällt der gelbe Schein der Lichterketten auf meinen Computerbildschirm. Mein Kopfkissen beschützt meinen Po vor der Kälte des Metallstuhles und ich fühle mich wohl.



2014-01-13

To hit the Ground running































Hallo, und wilkommen im neuen Jahr! dröhnt meine imaginäre Megaphon-Stimme.

Die titelgebende Redensart tauchte in letzter Zeit öfter mal auf und ging mir in der ganzen letzten Woche nicht mehr aus dem Kopf. Langwierige und aufwändige Nachforschungen (sprich: google) haben ergeben, dass man sich über den Ursprung des ganzen nicht so einig ist, deswegen nehme ich mir jetzt mal die Freiheit heraus ein eigenes Beispiel zu erfinden.

Nehmen wir also einen Falschirmspringer (zwar habe ich vom Fallschirmspringen keine Ahnung, aber das ignorieren wir kurz). Wenn er am Boden ankommt, oder -um dem Sprichwort gerecht zu werden- "aufschlägt", kann, nein, darf er nicht einfach stehen bleiben, sondern muss rennen, um den Sturz abzufangen. Der Sturz ist überstanden, der Falschirm ist aufgegangen und man hat sich beim Landen nicht auf einem Baum aufgespießt. Alles gut also. Aber trotzdem rennt man jetzt noch, muss es sogar und -jedenfalls stellen wir uns das jetzt so vor- muss es auch noch eine ganze Weile weiter tun.

Etwa so ähnlich fühlte sich diese Woche an. Krabbum, so, wie der Boden der auf den Fallschirmspringer zu kommt -ich mag dieses Beispiel wirklich sehr- so plötzlich war sie auf einmal da, die Arbeit. Die Landung verlief zwar gut, aber viel war es trotzdem und von da an hieß es rennen, rennen, rennen. Das jetzt sogar oft nicht nur bildlich.

Das erste "Großereignis" war ein russisches Filmteam, dass sich kurzfristig anmeldete und von mir betreut werden sollte. Dem (sehr netten) Filmteam folgten dann in schneller Abfolge die Ankunft wichtiger Nagelkreuzmenschen, der CCN Cluster und die Ankunft einer deutschen Nagelkreuzgruppe.
Alles von mit zu 90% im Alleingang organisiert, durchgeführt und betreut Samstag und lange Abende eingeschlossen.


Um so schöner ist, dass alles sehr gut gelaufen ist, der Cluster gut ankam und die Besuche nett und angenehm waren. 

To hit the ground running heißt im übertragenen Sinne übrigens so viel wie flott und erfogreich an einer neuen Aufgabe zu arbeiten.



Und es sollte vielleicht erwähnt werden, dass zum "Pflug-Gottesdienst" Traktoren um und IN der Kathedrale erlebt werden durften -immer mal was Neues...




2013-12-20

Adventskalender 20: Cats 'n Roll

der hübsche Chester





























Lisa allein zu Haus. Aber fangen wir am Anfang an.
Der Tag began damit, dass ich zu wenig tat. Aber andererseits.
Rita hat uns heute verlassen. Schon komisch, dass wir jetzt eine weniger sind.
Und dann war es ja auch noch die letzte Möglichkeit alle vor Weihnachten zu sehen und Geschenke zu verteilen.

Weise war das Wenig-Tun, aber vielleicht trotzdem nicht...
Uns erwarten im Januar fast direkt nachdem ich zurückkomme zwei Besuche.
Ein unkomplizierter, ganz gut geplanter und ein weniger. Beim Zweiten habe ich die Programmvorschläge erst zu spät losgeschickt und dann erst heute das Programm erhalten. Natürlich waren dann da Dinge drin, die so kurzfristig nicht organisiert werden können. Also musste man erstmal ein bisschen panisch im Kreis rennen und dann versuchen Lösungen zu finden -oh boy.

Und natürlich hat man nicht alle erreicht, ich gehe also Montag doch noch mal kurz ins Büro und habe in der Hektik auch noch zwei, drei andere Sachen vergessen für die ich nochmal zurückmuss (unter anderem meinen Weihnachtsbaumständer). Abgesehen davon wollte auch noch ordentlich viel Anderes erledigt werden. Heute war das erste Mal, dass ich tatsächlich noch im Büro war als die Kathedrale abgeschlossen wurde. Und ja, in der Emailversion der aktuellen Newsletter ist tatsächlich ein Tippfehler in 'Christ'.

Maddy ist jetzt auch in Richtung Weihnachten-mit-der-Familie aufgebrochen. War erst schon komisch in der leeren, äußerst ver-unordentlichten Wohnung. Ganz ungewohnt.

Aber dann bin ich Jennys Katze, Chester, füttern gegangen, den ich in dein nächsten Tagen für sie 'sitte'. Katzenkuscheln macht alles besser.

Wieder zu Hause kam die Erleuchtung: ich kann endlich mal ungezwungen, lange und laut Musik spielen und in der Küche tanzen und singen, während ich Abspühle. Keine Kophörer! Party!

Dewis sieht endlich zumindest etwas ordentlicher aus (naja alles bis auf mein Zimmer). Jetzt gibt es Avokado zum Abendessen. Morgen Mama.

2013-12-19

Adventskalender 19: Rainsbrook






























Was ein Tag. Nachdem ich völlig übermüdet meine Zeit im Büro mit einem Riesenstapel Arbeit verbrachte, ging es nicht etwa nach Hause, sondern fast direkt nach Rainsbrook Secure Training Centre, eine Art Jugendgefängnis in Rugby. Rainsbrook ist nicht nur ein Jugendgefängnis, sondern auch ein Cross of Nails Centre, was auch erklärt, warum ich  mich Heute auf den Weg zum dortigen Weihnachtsgottesdienst machte. 

Ursprünglich hätte mich Entfernung, Uhrzeit und die Tatsache, dass ich als einzige von der Kathedrale eingeladen war, davon abgehalten zu gehen, aber dann fand ich durch Zufall heraus, dass Marlon, -Verger in der Kathedrale- auch da sein würde und eine Ansprache halten und mich außerdem mitnehmen könnte -wie konnte ich da noch nein sagen?

Und es war definitiv eine Erfahrung, um die ich froh bin sie zu haben. Auf der Einladung hörte es ich so an, als wären durchaus mehrere Menschen eingeladen. Es stellte sich dann jedoch heraus, dass die einzigen "Gäste", abgesehen von den Jugendlichen selbst, Marlon als Redner, eine Handvoll ehemaliger Mitarbeiter und der Bürgermeister mit seiner Frau waren. Und ich.

Vor und nach dem Gottesdienst durften die geladenen Gäste dann noch mit den aktiv am Gottesdienst teilnehmenden Jugendlichen Häppchen essen und quatschen. Als offensichtlich Jüngste und offensichtlich einsam in der Ecke stehende und als-einzige-keinen-Kennende kamen immer wieder einige der Mitarbeiter auf mich zu You alright, love? Your first time here?. Das führte dann dazu das man das Gefühl hatte mich ein bisschen einführen zu müssen, ich also Vorbeilaufenden vorgestellt wurde und von den Jugendlichen die Zimmer gezeigt wurden.

Der Gottesdienst in der Sporthalle, war dann an sich irgendwie auch richtig gut, mit Jugendlichen, die mehr oder weniger verlegen die Weihnachtsgeschichte nachspielten, einer Pfarrerin, die eindeutig Spaß an ihrem Gottesdienst hatte, leisem Mitsingen zu lauter Weihnachtsmusik und Marlon, der seine eigene Geschicht erzählte.

Nach dem Gottesdienst war das ganze Unterhalten dann auch nicht mehr ganz so ungelenk; man konnte sich zumindest darüber unterhalten, dass man nicht wusste, worüber man sich unterhalten sollte.


Die Rückfahrt mit lauter Musik und einem Marlon, der froh war seine Anspruch hinter sich zu haben, war dann auch richtig nett. Sogar der Moment, in dem ich mal wieder tief Luft holen und zu jemanden sagen durfte/musste/konnte I'm actually not a Christian war gut. 
Das sollte nicht so schwierig sein, aber ist es gerade in einer Umgebung, wie dieser hier halt manchmal doch. Das sieht man zum einem an der sehr missionarischen Reaktion, die ich heute Vormittag bekam, zum anderem ist es schon eine Hürde, die es überspringen gibt, bei Menschen, die man wirklich mag und die sich sehr über ihr Christentum identifizieren und aufgrund der Situation automatisch annehmen, dass man auch christlich ist. (hört sich lächerlich an und es gibt eindeutig Schlimmeres, aber warte mal bis du in so einer Situation bist)
Jedenfalls. Bis jetzt war diese eindeutig die beste Reaktion. So, wie es sein sollte. Tut aber trotzdem gut.

Ein guter Abend.







2013-12-17

Adventskalender 17: Christmas Party

mein Mini-Weihnachtsbaum bis "der Große" denn dann steht..































Eine Tradition, die für mich sehr Englisch erscheint, mir vielleicht aber auch 
jetzt, wo ich in einem Büro arbeite, erst auffällt, sind die ganzen "Büro Weihnachtsessen". Wir als Reconciliation Ministry Team hatten ja schon ein Dinner und dann war heute noch eine Feier im Bishofs Haus und das Essen des Schools Teams.
Ich habe tatsächlich die Einladung zum Bishof Haus abgesagt, um zur Feier des Schools Teams kommen zu können und bin auch ganz froh drum.

Ich liebe mein Büro. Unsere Tür steht immer offen und es gibt immer ein freundliches Gesicht, was beim Vorbeilaufen hereinlächelt, oder sogar einen kurzen Zwischenstop macht. Stella und ich haben uns mittlerweile sehr gut angefreunded und haben dann doch immer viel Spaß auf der Arbeit. 

Abgesehen von den produktiven Abenden, ist eine meiner Lieblingszeitpunkte im Büro jedoch, wenn die Guides da sind. Es gibt immer ein großes Hallo und viel Gewusel, Tee und Kekse. Ich kenne inzwischen jeden einzelnen gut und meine Rolle (wie ich selbst ja sowieso) schwankt immer zwischen frechem Kleinkind und irgendwie-doch-ganz-intelligentem Erwachsenem.

Ich bin also froh, dass ich das Christmas Dinner mit diesen Menschen verbringen durfte. Und St Marys Guildhall, wo unser Essen stattfand, ist als Ort auch nicht zu verachten.

Heute Abend wurden dann noch fleißig Tickets gebucht, ein Weihnachtsbaumständer gekauft und dann sich gemütlich bei Jenny niedergelassen mit Keksen, Couch und Katze.

2013-12-16

Adventskalender 16: Appraisal































Ich gebe frei zu, dieses Foto hat rein nichts mit diesem Tag zu tun, außer dass es hier gerade dunkel ist und ich da oben so eben aus unserem "Taxi" gestiegen bin.
Heute war mal wieder ein alleine-im-Büro Tag, was dafür aber zumindest heißt, dass ich doch überraschend viel fertig bekommen habe. Wer weiß vielleicht klappt es ja doch noch alles vor Weihnachten fertig zu haben...


Heute war außerdem "Appraisal Day". Appraisal heißt soviel wie Leistungsbeurteilung, oder Begutachtung. Die Idee hinter dem ganzen ist, dass man sich mit seinem Boss über die eigene Leistung unterhält, Ziele für die Zukunft setzt etc.. Das soll jetzt nicht heißen, dass man von seinem Vorgesetzten einen Vortrag bekommt, sondern selber über die eigene Leistung, Rolle und Zufriedenheit reflektiert und dann mit ihnen zusammen überlegt, wie die eigenen Interessen und Fähigkeiten besser eingesetzt und umgesetzt werden können. Oder, so war das jedenfalls bei uns...

Auf meiner To-Do-List für das nächste Jahr steht jetzt unter anderem also continue to make people in the office smile, da eine meiner ausgewählten Stärken nett-sein-zu-Leuten war.
Es war aber auch einfach eine gute Gelegenheit noch einmal über die eigene Arbeit nachzudenken und über Dinge zu reden, die vielleicht nicht ganz so gut laufen mit jemandem, der daran tatsächlich etwas ändern kann, oder klare Ziele setzen, wie man diese Veränderung selber erreichen könnte.

Einer meiner großen Wünsche war also etwa an Langzeitprojekten arbeiten zu dürfen, gerne auch an Themen, die mich besonders interessieren. Es gab da einige interessante Ideen im Raum, ich bin schon sehr gespannt und auch aufs Neue mal wieder von meinem "Beruf" begeistert.

Heute Abend waren wir netterweise mal wieder bei einem Ehepaar der Gemeinde eingeladen, was nett war, aber ordentlich spät. Andererseits muss man zugeben, dass das Essen echt lecker war...


2013-12-13

Adventskalender 13: German Christmas...actually




























Der Arbeitsberg, der mich vor Weihnachten noch erwartet ist schon fast wort-wörtlich umwerfend -wie ich das in den fünf Tagen der nächsten Woche so schaffen werde, ist mir auch noch nicht ganz klar... Am Wochenende will dann auch noch der Projektbericht geschrieben werden -oh dear!

Der Freitag war also dementsprechend geschäftig. Nach Morning Prayer verteilten sich die Interns an strategisch günstigen Orten auf dem Kathedrals Gelände um Teilnehmer für ein Meeting abzufangen.
Danach Zeit im Büro. Danach eigentlich Team Meeting, aber das wird immer weiter nach hinten geschoben. Stattdessen also erst Christmas Dinner im Bella Italia und dann Team Meeting und dann ist es auch schon 16.50.

Für dieses Wochenende bekommen Maike und ich Besuch von Dora, im Projekt der Association of Jewish Refugees in London. Zur Vorbereitung für diesen Besuch will dann noch eingekauft werden und dann Dora vom Bahnhof abgeholt. Der Besuch wird stilvoll eingeleitet durch ein "Deutsches Weihnachten" mit Linsensuppe, Bratäpfeln, Glühpunsch und Plätzchen.
Zwischen interessanten Diskussionen wird dann genossen, wie Samuel seinem Vater ernsthaft von der Liebe erzählt (trailer:de/eng).

Zum Heimweg ist diesmal nur anzumerken, dass es ein Erlebnis ist, wenn die Sätze von seltsamen Kerlen, die einen Nachts auf der Straße ansprechen mit 'scuse me Sweetheart anfangen.

2013-12-12

Adventskalender 12: Jack und der Weihnachtsbaum


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Glitzer,One Direction, flirtende Frauen, wobei eine davon im Kleid und die andere in hochhackigen Schuhen und shorten Shorts steckt und eigentlich der der männliche Mann der Handlung ist, , Männer in Drag, der Ruf Behind You!, dreckige Witze, zwei Schauspieler im Kuhkostüm, Feen, Kuchenschlachten und Schauspieler, die genau Wissen, wie lächerlich das ganz Unternehem ist -natürlich denkt man da sofort an das Panto von Jack and the Beanstalk.

Oder: "wir" Deutschen vielleicht nicht, aber in England -so durften Hilary und ich vor kurzem lernen- ist das Panto eine langepflegte Tradition.
Ein traditionell zur Weihnachtszeit aufgeführtes Stück mit bekanntem Inhalt und viele der typischen Elemente sind oben aufgezählt (naja bis auf vielleicht One Direction...).

Ich muss zugeben, ich war erst etwas zögerlich überhaupt zukommen, but boy am I glad I did! Es war langlanglanglang, aber ich in der Abendvorstellung noch mit Kindern gefüllt und definitv ein Erlebnis.
Oder wie Hilary auf dem Rückweg sagte: Es ist gut, dass wir gegangen sind. Sowas gibt es in Amerika nämlich nicht.


Sonst gibt es vom heutigen Tagen nicht so gaaanz viel zu Berichten;
der Großteil wurde damit verbracht, einen Besuch zu organisieren.

Obwohl: Wenn ihr euch heute Mittag so etwa zwischen 11.30 und 12.30 in der Coventrianischen Innenstadt aufgehalten hättet, wäre euch wer spannendes begegnet - eine junge Frau, die keuchend und schnaufend die Schräge von Coventry heraufstapft, im Gesicht ein Lachen, in Antwort auf die amüsierten Blicke der Erwachsenen und großen Augen der Kinder und im Arm? Eine Tanne!

Eben diese wunder-wunderschöne Tanne steht jetzt stolz und geduldig in einem Eimer vor unserer Dusche und wartet auf Weihnachten.

Alles, was noch fehlt ist ein Weihnachtsbaumständer....

2013-12-11

Adventskalender 11: We are sleeping


















































Heute mal weniger Inhalt dafür mehr Fotos.
Der heutige Christingle Service war noch größer, als die gestrigen, aber dank der Übung, die wir mittlerweile alle hatten, etwas entspannter; noch mehr gefüllt mir crazy dancing, singen, jubeln und geschäftigem Herumgerenne.

In der nachfolgenden etwas verlängerten Mittagspause habe ich es tatsächlich geschafft einzuschlafen und bin nur mit größtem Aufwand wieder aus dem Bett gekrochen, um noch so eben Pünktlich zu einem Website Meeting mit Tim zu kommen. Das Meeting war dafür nett und entspannt.

Oh und Emmas Eltern wären bereit, meinen Weihnachtsbaum von IKEA abzuholen -yay!



2013-12-10

Adventskalender 10: We are marching






























We are marching/ We are marching/ Wohooo/ We are marching in the light of 
God -rund 300 Kinder und Erwachsene drehen sich mit rhytmisch wippenden Schultern gebückt im Kreis um dann mit lautem Wohooo! die Arme in die Luft zu strecken. Mittlerweile sind wir beim zweiten Gottesdienst des Tages angelangt; die Gruppe ist etwas kleiner, als die des Morgens, dafür aber um so energetischer.

We are marching in the light of God ist einer von den drei Songs die von allen gemeinsam während des Gottesdienst gesungen werden, begleitet von Bewegungen, die Stella und Len auf der Bühne so begeistert, wie nur irgend möglich vortanzen. Es gibt sicher bessere Aufnahmen, aber die ersten paar Minuten dieser hier geben einen ganz guten Eindruck davon, wie das dann bei uns aussah...

Die Christingle Services sind tatsächlich ein großer Spaß. Die Kathedrale ist voll gepackt mir Kindern, Lehrern und Eltern und wir Helfer tanzen am Rand mit. Das Konzept ist in etwa folgendes: im Laufe des Gottesdienstes werden die einzelnen Elemente des Christingle -Orange, rotes Band, Kerze, Fruchtspieße- erklärt. Dies wird getan anhand der beiden riesengroßen Styropor-Orangen, die Mitten in der Kathedrale stehen. Eine Aufgabe der Helfer ist etwa zum richtigen Zeitpunkt die Styropor-Orangen mit Früchten zu bespießen. Darin eingebunden, trägt jeder der Schulen wenigstens einmal etwas vor und es gibt wie gesagt drei Songs, die von allen zusammen gesungen und getanzt werden.

Besonders, der zweite Service des Tages verläuft heute besonders gut. In der vorherigen Mittagspause konnten sich alle etwas ausruhen und nett unterhalten und da eine Schule etwas zu spät dran ist, beginnen wir unser Programm mit Aufwärm-Tanzen.

Als am Ende des Gottesdienstes dann die Schulen beladem mit Kisten voller Orangen und Kerzen langsam zu einem Soundtrack von  Slade's Merry Christmas Everybody und unseren Weihnachtswünschen aus der Kathedrale strömen, hat es sich der ganze Aufwand dann auch gelohnt.

Oh und ein weiterer Vorteil: wir dürfen ein bisschen früher gehen!
Dies hat den weiteren Vorteil, dass die Interns in gemeinschaftlicher Anstrengung alles Geschirr gewaschen haben. Geschirrwaschen ist auch gleich viel schöner, wenn man es zu dritt machen und dabei aus voller Kehle, laut und falsch Last Christmas singen kann.

Der Tag wird angenehm beendet mit Indischem Essen in großer Runde und regem Austausch über die Kulturphänomene Dinner for One und Sound of Music.

2013-12-09

Adventskalender 9: Orangen, Rosinen und Kerzen































Der heutige Tag stand eindeutig im Zeichen der Christingles -Was ist ein Christingle? wäre jetzt die logische Frage. Das wurde mir zwar schon mehrfach erklärt, ich musste aber jetzt gerade dann doch nochmal nachgucken. 
Nachdem Rita und ich im Laufe des heutigen Tages mehrfach ausgerufen haben Ach nein, wie merkwürdig! Also so etwas haben wir in Deutschland ja gar nicht!, musste ich jetzt bei meinen Nachforschungen feststellen, dass es sich dabei tatsächlich ursprünglich um eine deutsche Erfindung aus dem Jahre 1747 handelt (so jedenfalls Wikipedia).

Eigentlich ist ein Christingle einfach nur eine Orange umbunden mit einem roten Band, in welche oben eine Kerze und an vier Seiten getrocknete Früchte auf Spießen gesteckt wurden. So weit das Praktische.

Theologisch handelt es sich bei der Orange wohl um die Welt, bei der Kerze um Jesu Licht in der Welt, dem roten Band um Jesu Blut und den Fruchtspießen um die Früchte der Welt und die 4 Jahreszeiten. 

Wofür brauch man Christingles? nun, etwa für einen Christinglegottesdienst, wovon uns in den folgenden zwei Tagen noch drei bevorstehen. In unserem Fall heißt das, dass tausende und abertausende von Schulkindern mit der Schule in die Kathedrale gebracht werden, Lieder singen, Tänze vorführen, Sachen (etwas Bibelstellen) vorlesen und natürlich lernen, was ein Christingle ist. Alle Kindern nehmen nacher eine Orange und eine Kerze mit nach Hause und die erste Reihe darf Christingles in der Hand halten und sogar anzünden. 

Nun, um für die etwa 80 Kinder in der ersten Reihe, welche wir Morgen erwarten auch Christingles zu haben, mussten Heute erst einmal welche hergestellt werden. 

Zwecks Christingle-Herstellung fanden sich also heute einige der Guides, Stella, Emma und die Interns zusammen in einem Raum, umgeben von Orangen, Schaschlik-Spießen, Rosinen und Kerzen. Die fließbandartige Christingle-Herstellung und das Orangen-und-Kerzen-Abzählen wurden nett eingebettet durch einen Soundtrack von Die 50 schlechtesten Christmas-Songs und Diskussionen über Neil Innes, I'm the Urban Spacecowboy und die letzten Kandidaten von X-Factor.


Ich bin mal gespannt, wie es Morgen wird...


2013-12-06

Adventskalender 6: Nikolaus und Nelson Mandela

ein etwas geschlanktes Photo, damit man die Unordnung in unserer Küche nicht so sieht...
















Im Grunde, ist das Thema für diesen Eintrag ja eigentlich relativ klar (Nikolaus!), aber irgendwie, ist dann heute doch noch recht viel anderes passiert...

Eigentlich war mein Plan direkt nach Morning Prayer die Stiefel aufzubauen und Dewis ein wenig zu schmücken, bevor die Anderen auf die Idee kommen Mittagessen zu machen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Als jemand, der auch hier sträflich sellten Nachrichten schaut, liest, oder hört, bekam ich von dem Tod Nelson Mandelas erst recht spät etwas mit und dann ging die Panik auch schon los. Wir brauchen ein Statement für die Website! Und Facebook! Das Fernsehen ist da! Der Dean brauch in zehn Minuten genug Informationen über unsere Partner in Süd-Afrika um ein Interview zu geben und so fort.

Das Nikolaus-Sein wurde also etwas nach hinten geschoben. Dafür dass ich letztendlich nur eine halbe Stunden Zeit hatte und außerdem noch Berge von Geschirr beseitigen musste bevor ich anfangen konnten, weil die genau da standen, wo die Stiefel hinsollten, bin ich aber recht zufrieden mit meinen Nikolaus-Fähigkeiten. Die Stiefel wurden auch gebührlich bewundert und ich durfte zweimal Nikolaus buchstabieren, als Fotos auf facebook geteilt wurden.

Danach schleiche ich mich in ein Meeting mit David W. und Rita ein -ich war so neugierig, dass ich gefragt habe, ob ich nicht Mäusschen spielen darf.
Rita hatte die Idee Storytelling ein Bestandteil in unserem brandneuem CCN Gruppen Besucherprogramm zu machen. Persöhnliche Geschichten. Die Geschichte der eigenen CCN Gruppe. Austauschen von Geschichten mit anderen Gruppen. Und David W. hat im Bereich "Menschen erzählen ihre Geschichte" eine Fülle an Erfahrungen -fascinating stuff und extrem spannend.

Ich hoffe wir schaffen es das einzubauen. Wer gibt uns das Geld?


Darauf folgt der entspannende Teil des Abends: St Michaels House weihnachtlich dekorieren. Wir schaffen es tatsächlich ein wenig Musik zum laufen zu kriegen und uns nicht vollends in Lichterketten zu verknoten. Wer hätte gedacht, dass es sogar unechte Tannenbäume mit unechten Zapfen gibt...? Jetzt jedenfalls flimmer St Michaels House bunt vor sich hin, irgendwann müssen wir noch dazu kommen Dewis richtig zu dekorieren...

2013-12-05

Adventskalender 5: Plätzchen Backen


































Ein Donnerstag, wie er im Plan-Bilderbuch steht. Jedenfalls der Morgen.
Routinemäßig begonnen mit Morning Prayer, gefolgt vom Morning Huddle in "meinem" Büro. 

Den Morgen verbringe ich mit dem Beantworten von Emails und Wanderungen zwischen meinem Büro unter der Kathedrale und dem "Hauptbürogebäude", Youell House.

Dann wartet ein Meeting mit Tim im Kalender. Für die International Cross of Nails Schulen wird gerade eine online Platform entwickelt, super spannend, besonders, da ich sie nacher werde mit-betreuen dürfen. Im Moment, muss aber noch ein wenig Arbeit darein fließen.

Nach besagtem Meeting sitze ich also brav vor meinem Computer und übertrage teile unserer Datenbank auf die Website. Mittlerweile bin ich alleine im Büro und leiste mir selbst mit etwas Keksen und Musik Gesellschaft. 

Stella schaut noch für ein paar kurze Stunden herein, aber am Abend bin ich dann doch wieder alleine, als die Tür mit einem zufriedenstellendem Rumms hinter mir zufällt.
Auf dem Ausweg treffe ich noch auf Verger David und bleibe für eine nette Unterhaltung stehen. Weihnachtspläne werden ausgetauscht. 

Ich habe heute meine Mittagspause aufgespart, so dass ich eine Stunde früher gehen kann, um noch bequem einkaufen gehen zu können, bevor Maike kommt.
Während ich auf Maike warte, fange ich an am heutigen Eintrag zu arbeiten. So wird mein Blog auch endlich von meinen Mitbewohnern endteckt Schreibst du da auch über uns? Auf Deutsch?

Maike kommt und wir verlagern uns in ihr, Roberts und Carolinas Haus auf der anderen Seite der Stadt (naja für mich jedenfalls die andere Seite).
Maike und ich schaffen es tatsächlich gleichzeitig Vanillekipferl zu backen und Drei Haselnüsse für Aschenbrödel zu gucken. Ach ja Entspannung muss sein.

Das einzig Ungünstige am Abends-mit-Maike-Treffen ist immer der Heimweg, der einem von uns bevorsteht, auf dem es durch nicht ganz so heimelige Teile Coventrys geht. Aber heute Nacht ist alles still und verlassen und ich traue mich sogar Musik zu hören. La Vie Boheme ist genau die richtige Einstimmung auf Weihnachten (- right? right.) und reicht längenmäßig von diesem einen Fußgängerübergang genau bis vor die Haustür.

Morgen ist Nikolaus! Die Stiefel für meine Mitbewohner sind schon vorbereitet...


links die (abgestellte) Wasserfontäne vorm Büro, rechts geht es zu Sainsbury's und zum Transport Museum

2013-12-04

Adventskalender 4: Früher war mehr Lametta


Da heute Mittwoch und nicht Dienstag, Donnerstag, oder Freitag ist, beginnt der Tag nicht mit dem "normalen" Morning Prayer sondern mit einem "richtigen" Gottesdienst in der Marienkapelle am Fuße des großen Wandteppichs (mit Singem!).

Eigentlich toll, wobei die kuriose Akustik der Kathedrale dafür sorgt, dass man die Leute auf der anderen Seite der Kapelle nicht mehr hört.
Die Lieder sind mir pesrönliche alle unbekannt und alle ohne Noten.
Und irgendwie schaffen wir es immer wieder alleine auf einer Seite zu sitzen.

Naja, Maddy und ich singen mittlerweile einfach enthusiastisch und falsch drauf los, während Hilary sich eher zurückhält.
Zur Not kann man ja immer noch Kerry zu hören, der wie immer voller Begeisterung energisch in die Tasten haut.

Auf den mittwöchlichen Morgen Gottesdienst folgt wie immer Staff Meeting im runden Chapter House. Was mach die Diocese heute denn so? Und die Kathedrale?

Da man ja schon Staff Meeting hatte, beginnt Lisa den Tag heute alleine in ihrem Büro. Paul schafft den zweiten Platz und nein Paul, ausnahmsweise bin ich mal nicht an den Kekskrümeln auf deinem Schreibtisch Schuld.

Nach Paul trudeln die Guides für den heutigen Tag ein Was machen wir heute? Was für eine Schule? Wie fandest du die Gestern? Wann kommen die hier an?
Man macht sich also nützlich, indem man eine Runde Tee kocht, Paul hilft die DVD im Chapter House anzuschmeißen, der behauptet er könne das nicht. Man bugsiert eine Gruppe Kinder in die Kathedrale, schaltet die DVD an und aus und mittlerweile ist auch Stella da.

Stella und ich haben beschlossen heute den Büro-Weihnachtsbaum zu schmücken. Nach der Bewältigung einiger Montierschwierigkeiten steht unser Plastikbaum endlich vor uns. Zu einer Playlist von Glee Christmas Songs wird er geschmückt; dann bewundern wir ihn mit warmem Tee und veganem, glutenfreien, echtem deutschem dm Stollen stilvoll serviert auf Weihnachtsservietten.

Nach dem Beantworten einiger Emails holt mich Maddy für eine gemeinsame Mittagspause ab und landet im Büro direkt in einer Diskussion über Nationalhymnen -die Guides sind mittlerweile zurückgekommen.

Die entspannte Mittagspause nutze ich um nachzufragen wie Maddy zu meiner Idee steht unseren potentiellen Weihnachtsbaum in unserem Badezimmer zwischenzulagern. Sehr positiv glücklicherweise; es ist momentan der einzige immer-kalte Raum in Dewis.

Jetzt sind im Büro die stillen Stunden eingekehrt. Neben der Zeit in der die Guides alle im Büro rumstehen, diskutieren und Tee trinken, eine meiner liebsten Zeiten. In dieser Zeit arbeiten Stella und ich still und konzentriert, manchmal mit leiser Hintergrundmusik (heute Weihnachtslieder) bis wir irgendwann gemeinschaftlich unsere Arbeit unterbrechen und am runden Tisch mit Keksen und Tee zusammenkommen. 

Heute bekommen wir noch ein kostenloses Piano-Querflöten-Konzert aus dem nebenstehenden Raum in dem der Dean und der Canon-Precentor gemeinsam üben -wer hätte es gedacht?

Als ich nach Hause komme wasche ich unser Geschirr zu deutscher Weihnachtsmusik, Erna der Baum nadelt und Weihnachten bei den Hoppenstetds. Ach ja es weihnachtet sehr.

mein heutiges Unterhaltungsprogramm findet man hier, hier (ab 1h09) und da unten. Oh und wer von meinen Empfehlungen noch nicht genug hatte sollte sich mal The Baseballs anhören nicht (nur) weihnachtlich, aber toll!
okay das wars lisa out.

2013-12-03

Adventskalender 3: Newsletter































Während ich um 8.15 in meinem Zimmer stehe -in der einen Hand ein Löffel, in der anderen eine Flasche Haarspray- höre ich Schritte auf der Treppe, dann vor meiner Tür: Hey? Wenn du mir beim Aufbauen für die Gruppe, die heute Morgen in St Michaels House sein wird helfen möchtest, anstatt zum Morning Prayer zu gehen, kannst du das gerne machen. 

Maddy. Unter anderem mit der spannenden, aber nicht immer beneidenswerten Aufgaben belegt, die Buchungen für St Michaels House zu organisieren. 
St Michaels House ist ein wunderschönes georgisches Gebäude neben der Kathedrale, welches von uns unteranderem für Konferenzen und Meetings vermietet wird.

Aber zurück zum Thema: Ich schaufele die letzten Reste Müsli in mich hinein, fülle mein Zimmer mit einer Wolke Haarspray und renne hinter Maddy aus dem Haus. Obwohl ich Morning Prayer mittlerweihle tatsächlich zu schätzen gelernt habe, nehme ich Gelegenheiten wie diese auch gerne war -zur Kirche gehen werde ich in diesem Jahr noch genug und Maddy kann die Hilfe gebrauchen. 

Anstatt auf einem Stuhl in der Kirche, verbringe ich meinen Morgen also damit, mit Kaffekannen, Tassen, Löffeln und Gläsern in der Hand die Treppen von St Michaels House rauf und runter zu rennen.

Darauf folgt, wie (fast) jeden Morgen, Morning Huddle. Emma und wir Interns quetschen uns in "mein" Büro, die School Team's Office und klammern uns an Tassen von schwarzem Tee.
Emma geht mit uns den kommenden Tag durch und schreibt unsere heutigen Aufgaben auf unser Whiteboard. In meiner Abteilung steht heute nur eins: Newsletter.

Eigentlich hätte die Community of the Cross of Nails Newsletter schon längst verschickt sein sollen, aber wie immer bin ich spät dran. Im Grunde ist die Idee, dass mir unsere Partner ihre Neuigkeiten zuschicken und ich dann nur noch ein bisschen etwas hinzufügen muss, bevor ich sie entsende. Oft schreibe ich aber dann doch den Großteil selber.

Und tatsächlich dauert es dann auch den ganzen Tag. Zur Mittagspause bin ich mit dem "schriftlichen Teil" fertig und nehme mir etwas Zeit zu entspannen, einkaufen zu gehen, Suppe zu kochen und Maddy abzufragen, die heute ihren Theorie-Test hat. 

Die Zeit nach der Mittagspause verbringe ich damit, meinen Computer zu überreden, die Newsletter dann auch abzuschicken. Nach stundenlangen Verhandlungen ist es dann endlich so weit, mittlerweile ist es dann aber so spät und ich bin so erschöpft, dass die Zeit gerade noch reicht, ein paar emails zu beantworten und meinen Schreibtisch aufzuräumen.

Jetzt sitze ich mit einer leeren Suppenschüssel vor meinem ein-kerzigem Adventskranz. Das obrige Photo, stimmt nicht ganz mit dem überein, was ich momentan sehe, aber fast -ich musste das Deckenlicht zum Essen dann doch anmachen. 
Noch überlege ich, ob ich nicht einige der mit Heißkleber befestigten Dekorationen gegen Kerzen austauschen möchte. Da ich dafür Draht und eine Zange bräuchte, ist dieses Unterfangen aber vermutlich jetzt schon zum Untergang bestimmt...

Wer neugierig auf die Newsletter geworden ist, findet diese hier.