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2014-03-08

Lass uns über das Wetter reden













Draußen ist es warm. Die Luft schmeckt nach Sonnenstrahlen und warmen Tagen. Einige wenige Hoffnungsvolle tragen kurze Hosen. Eine davon bin ich. Wer hätte gedacht, dass ich die kurzen Hosen, die ich bei meiner Ankunft resigniert nach ganz unten ins Regal gestopft habe, tatsächlich nochmal anziehen kann?

Sonnenstrahlen auf den Armen; wenn einen so etwas in einen Zustand der Ekstase versetzt, merkt man wohl, dass man schon eine Weile in England ist.

Gestern durften wir ausschlafen, obwohl Freitag war, da wir am Abend davor lange in den Abend hinein arbeiten mussten. In meiner Mittagspause saß ich in Lady Herberts Garden auf einer Bank. Die Beine ausgestreckt, halb in der Luft, ausgestattet mit Strick- und Zeichenzeug. Sogar planeten-zerstörende Erdbeeren für 2 Pfund durften neben mir auf der Bank platznehmen.

Diese eine Stunde im Park, umgeben von Krokussen und späten Schneeglöckchen, war vermutlich die beste Mittagspause, der vergangenen 6 Monate.
Es fühlt sich fast ein bisschen an, wie Ferien, oder, wie das Gefühl, was man bekam, wenn plötzlich die letzte Stunde ausfiel.


Frühlingssonne, bleib doch noch ein Weilchen.

2013-12-25

Adventskalender 24: All überall auf den Tannenspitzen


















































Nun kann ich es endlich mit voller Berechtigung sage: fröhliche Weihnachten ihr Lieben!
Und was für ein Weihnachten. So schön, dass ich es mir erlabe, diesen letzten Tag meines "Adventskalenders" erst einen Tag später mit euch zu teilen, damit es mir möglich ist ihn euch in einem etwas mehr als nur halbwachen Zustand zu schildern.

Der Morgen des Heiligen Abends beginnt mit einem späten Frühstück und einer Busfahrt. Kenilworth' Spaziergehpotential soll erkundet werden. Die Burgruine ragt hoch in den blauen Himmel und ein rotes und ein dreckiges Paar Wanderschuhe stapfen in gemeinschaftlicher Stille durch das Gras.
In den Tälern der Wiesen hat sich durch die Regengüsse der letzten Tage ein richtiger See angesammelt und die Natur quietscht vor Nässe. Der Wind ist kalt, er vereist unsere Nasen und spielt mit den kahlen Ästen. Ein Rabe steigt laut rufend in die Luft.
In Coventry kann man die Natur schon vermissen.

Wir kommen nach Hause. Müde, wie wir sind, verschiebt sich alles noch ein bisschen nach hinten. Wer duscht schon, wenn man im Bett liegen kann? Doch irgendwann wird sich auch geduscht; es wird gekocht und der Tisch gedeckt. Man speist in Weißwein gekochten Reis mit Spinatcreme-Soße und fühlt sich ein seiner weihnachtlichen Aufmachung sehr fein. Dewis scheint in festlichem Glanz.

Vorsorglich sind wir eine Stunde früher für den 7 Uhr Gottesdienst in der Kathedrale. Die Engländer scheinen unsere Paranoia nicht zu teilen; der Großteil der Gemeinde taucht erst kurz vor Begin auf. Doch man will sich nicht beschweren. Wir ergattern einen guten Platz und haben noch Zeit für eine Kathedralführung, während welcher gewisse Interns mit ihrem Wissen angeben können und gewisse Mütter gebührend beeindruckt sind.

















































Der Gottesdienst ist vermutlich einer der schönsten, in dem ich bisher war. Ganz dunkel, nur mit Scheinwerferlicht und vielen, vielen Kerzen; mit feierlichen Chorinszenierungen, langen Prozessionen, der Weihnachtsgeschichte, viel Drama, langen Roben und natürlich, dem Bischof.

Es ist auch ein Moment um sich noch einmal wieder hier zu Hause zu fühlen. Hier, in dieser Kathedrale, die man sowieso in den ersten paar Wochen als die eigene adoptiert, und mit diesen Menschen. 
Überhaupt hat es doch auch etwas Surreales in der Heute besonders vollen Kathedrale zu sitzen und in der Gemeinde nur wenige bekannte Gesichter zu sehen, aber unter denen, die den Gottesdienst leiten dafür um so mehr. Hier ist Jenny, dort Angie, John, David, Joe, der Dean, David, David, Barbara, Geoffrey, Kerry...

Die warmen Worte des Abschieds und der Weihnachtswünsche folgen uns aus der Tür in die Dunkelheit.


Zum ersten Mal, bin ich diejenige, die die Weihnachtsbaumkerzen an Heiligabend entzündet. Ach nein, was für ein schöner Baum! Ach wie gemütlich! rufe ich in wahrer Weihnachten-bei-Hoppenstedts-Tradition immer wieder aus.

Es wird gesungen, es wird gelacht, es werden Plätzchen genascht und nach Köln telefoniert. Ein singender Hund starrt auf eine Kerze. Und natürlich werden auch Geschenke ausgepackt. Eine überwältigende Anzahl um genau zu sein.
Ich bin immer noch ganz gerührt von der Liebe und Bedachtheit, die in diesen wundervollen Geschenken und Karten von geliebten Verwandten und Freunden auf dieser und jener Seite des Ärmelkanal steckt.

Eine Nacht später, am Weihnachtstag, liegt ganz England still. Kein Geschäft hat geöffnet, kein Bus brummt und kein Zug zuckelt. Während Mama und ich durch das ungewohnt stille Coventry gehen und auch nachher noch, während ich mit einem Schoß voll Katze in Jennys Wohnung sitze, denke ich immer wieder: hier ist mein zu Hause und hier ist mein Herz und genauso sehr ist es auch bei den Menschen "drüben". Und dafür bin ich sehr dankbar.

Danke, an euch alle, die es mir erlauben an vielen Orten gleichzeitig zu Hause zu sein. Danke, an die mit denen ich Gestern gesprochen habe, danke an die, die mich mit einer Karte, oder einem Geschenk überrascht haben, danke an alle, die an mich gedacht haben.

Es hat mir viel Freude bereitet meine Weihnachtszeit mit euch zu teilen. Ich hoffe, ihr hattet ein frohes Fest, sofern ihr denn gefeiert habt und sende euch liebe Grüße aus einem mittlerweile wieder dunklem Coventry. Ich werde euch vermutlich erst im Neuen Jahr wieder sehen, (aber dann hoffentlich vergleichsweise regelmäßig) und wünsche euch somit also auch: einen guten Rutsch!

Man entschuldige die Rührseligkeit. Es ist Weihnachten.




2013-11-18

Ferien Teil III: Conwy Castle

(why to I feel like that title is a cop-out?)

Hier kommt (versprochen!) die letzte Ladung Fotos von Wales.















































Wie bereits erwähnt hat Conwy nicht nur Burgwall, sondern auch Burg und wir konnten ja schlecht gehen, ohne uns die nicht auch noch angeguckt zu haben.

Die Fotos zeigen nochmal schön Conwy und Umgebung; sonst gibt es dazu eigentlich gar nicht so viel zu sagen, außer dass die Wendeltreppen auf die Türme echt mörderisch sind, aber was soll man machen, wenn man mit einer abenteuerlustigen Amerikanerin unterwegs ist...?

Enjoy!






























Für jene, die bis zum Ende durchgehalten haben, gibt es noch eines der seltenen Lisa-Fotos. Als oftmals die einzige Person mit einer Kamera sind die in der Tat selten geworden. Wer jetzt allerdings glaubt das obrige Foto sei das einzige meiner Selbst, was ich von diesem Urlaub habe, liegt auch wieder falsch. Das Foto ist Teil einer Reihe von Hilary, welche -entnervt von einem Urlaub, in dem sie dann doch recht oft das Fotomodell spielen musste-, mir die Kamera aus der Hand riss und anfing Fotos in "Fotographen-Posen" zu schießen, alles inklusive Blitz- und Klickgeräuschen....

Goodbye Conwy you were ever so lovely!

Ferien Teil II: Lush Leaves

Wie schon erwähnt, ist Conwy ganz in der Nähe von Sowdonia National Park. Wobei "ganz in der Nähe" heißt immer noch, dass man um an den Berg Snowdon selbst dranzukommen, zwei verschiedene Busse nehmen muss. 

Gar nicht so einfach und dauert ziemlich lange, vor allem, wenn es Sonntag ist und man das ganze recht spontan entschieden hat...

Letztendlich schafften wir es dann auch nur an den Anfang des Parks. Der Kanadier, den wir im ersten Bus trafen, war zwar entschlossen noch weiter zu fahren, aber der hatte auch ein Zelt; wir wollten vor der Dunkelheit zumindest wieder im Bus sein.

Nach kurzer Orientierung und etwas Herumgefrage gingen wir also los, auf einem Pfad, der uns Richtung einiger Wasserfälle bringen sollte.




Bei den Wasserfällen, zu denen wir eigentlich hinsollten sind wir dann zwar nie angekommen, aber wen interessiert das schon... Es war wunderhübschig, regennass und blätterbunt und jegliches Busverpassen drei-mal wert.

2013-11-10

Ferien Teil I: Windy Wales

Dieser Bericht ist eigentlich schon eine Woche überfällig -whoops.

Über das letzte Wochenende -Freitag bis Montag- war ich das erste Mal richtig weg. Hilary und ich haben uns direkt nach der Arbeit nach Conwy, Wales aufgemacht.

Unseren nur wenige Stunden vorher herausgesuchten und gebuchten Zug verpassten wir gekonnter Weise um etwa zwei Sekunden, wodurch sich eine Fahrt von drei Stunden auf das Doppelte herauszog und wir erst um 23.00 auf einem kleinen, dunklen Bahnhof im Nirgendwo standen.

Conwy und Umgebung am nächsten Tag zu erleben, hat jegliche Herumfahrerrei aber durchaus wettgemacht.

Conwy ist ein kleines, gemütliches Dörflein am Flusse Conwy mit noch fast komplett begehbarer Stadtmauer und beindruckend intakter Burg, umgeben von einer durchaus zurecht als wunderschön zu beschreibenden Landschaft, nicht unweit von Snowdonia National Park.

Wir hatten etwas Angst, es könnte die ganze Zeit regnen und da es schon beim Aufstehen nässte, beschlossen wir erst einmal von der Jugendherberge ins Dorf zu laufen. 










































































































Doch letztendlich verbesserte sich das Wetter derart, dass wir unsere Pläne änderten und uns an Conwy Mountain heranwagten; vom Dorf aus der direkteste Weg in die die ganze Gegend umgebende Hügel- und Bergkette.


Die Landschaft könnte man sich vorstellen, wie eine Mischung aus Bergischem Land, Elbingen Alp und dem Weserbergland, falls das hilft. Im Grunde aber, ist sie dann doch irgendwie ganz anders.


Nach einem recht steilen Aufstieg, bot sich uns ein fantastischer und immer-wieder-anderer Ausblick, während wir im kräftig blasendem Wind direkt unter der Kuppe des Berges herwanderten.








Vollkommen wind-durch-pustet, aber glücklich stapften wir in der Dämmerung vom Berg zurück ins Dorf, um nach einer kurzen Mahlzeit direkt ins Bett zu fallen.







2013-10-29

War Memorial Park

Hatte ich mich in meinem letzten Bericht nicht über die fehlende Nähe der Natur beschwert?
Man muss zugeben Coventry hat Parks und davon gar nicht mal so wenige (oder hässliche falls das jetzt hier jemand annehmen wollte..)

Dieser Ausflug liegt schon ein bisschen zurück. Ein Monat und sieben Tage, wenn man da genau sein möchte und war im Grunde der erste "Ausflug" seit meiner Ankunft.
Wenn ich mich richtig erinnere, auch das erste mal, dass ich alleine mit Hilary etwas gemacht habe, was nicht an Dewis oder unsere Arbeit gebunden war.

Es war ein Samstag, der erste, und auch fast einzige, sonnenbeschienen warme seit meiner Landung in England und Hillary und ich beschlossen wir müssten unbedingt aus der Wohnung raus.

Es ging also raus aus der Wohnung, einmal in die falsche Richtung (wer versucht auch schon mit Google Maps irgendwo hinzukommen?), durch einen kleinen Park gerade am Rand des Stadtkerns, der von zwei großen, rennenden Pflanzenfiguren dominiert wird, vorbei am Bahnhof, rauf-rauf-rauf die Straße, vorbei an King Edwards Primary und Secondary School (so hübsch!) und zweimal sehr chaotisch über die Straße (Amerikaner haben (un)glücklicher Weise genauso wenig Ahnung vom Linksverkehr, wie wir Deutsche) ....


...und wir waren da.

War Memorial Park ist epischen Ausmaßes und besteht tatsächlich zu 90 Prozent nur aus Wiese und Bäumen.
Hilary und ich spazierten also los vorebei an dem ebenfalls riesigen War Memorial, neben dessem "hier keine Fahrräder"-Schild ein kleines Kind quietsch-vergnügt auf seinem Dreirad strampelte, machten einen kurzen Zwischen-Stop am Eiswagen und bewegten uns dann gemächlich auf der großen Runde um den Park herum, der groß genug ist, um in seiner Mitte noch bequem einen Golf Platz zu beherbergen.

Jetzt kommt der spaßige Teil. Hillary hat es tatsächlich fertig gebracht ihre Hängematte aus Amerika mitzubringen. Nun muss man wissen, dass es sich hier nicht um ein schweres gewebtes Teil handelt -was ich dachte. 
Stattdessen handelt es sich um eine Campinghängematte, die sich auf die größe einer Brotdose zusammenfalten lässt und es troztdem tatsächlich schafft zwei Erwachsene zu tragen-was ich nicht dachte.

Wir fanden also zwei enzusammenstehende Bäume (schwieriger, als man denkt!) und spannten unsere Hängematte in War Memorial Park.
Von da an war es dann vorbei mit dem Bewegungsdrang und wir schafften es letztendlich den restlichen Tag in der Hängematte zu verbringen; begleitet allein von Schokolade und Bretzeln, einer Ausgabe von Reconciling all Things unserem obligatorischen Buch für September, die wir hin und herreichten und den fröhlichen bis belustigten Zurufen, der vorbeiwanderten Urbevölkerung.
In Coventry residente Engländer sehen wohl nicht jeden Tag eine Amerikanerin und eine Deutsche in einer Hängematte...